One Laptop Per Child

100 US-Dollar-Laptop Schon seit Monaten ist es angekündigt, nun durfte man es endlich auf der WSIS, dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, in Augenschein nehmen: Das 100 Dollar-Laptop für die Dritte Welt. Es soll die Informationskluft zwischen reichen Industrienationen und armen Entwicklungsländern verringern und vor allem Schulkindern den Einstieg zu Bildung ermöglichen – entwickelt natürlich in einem Land der ersten Welt. Nicholas Negroponte vom renommierten Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und UN-Generalsekretär Kofi Annan stellten nun in Tunis einen Prototyp vor, der nicht nur durch seine giftgrüne Farbe ins Auge sticht. Äußerlich klein und kompakt sind seine Eingeweide auf das Nötigste reduziert: Gerade mal ein 500 MHh-Prozessor von AMD ist integriert, ausgestattet wird der PC mit 128MB Dram und statt einer Festplatte bietet ein Flash-Speicher 1 GB Raum. Der umklappbare LCD-Bildschirm hat eine Größe von 8 Zoll und wird normalerweise bei preisgünstigen tragbaren DVD-Playern verwendet. Sonst ein Kostenfaktor bei Laptops, soll hier der Einkaufspreis des wahlweise farbigen oder schwarz-weißen Displays gerade mal bei 35 Dollar liegen. Neben vier USB-Ports soll auch eine Internet-Verbindung über eine Art „Gitter-Netzwerk“ angeschlossen werden, das aber bei BBC noch nicht genauer ausgeführt werden konnte. Ein Modul für die drahtlose Verbindung, dem WLAN, soll inbegriffen sein. Als Stromzufuhr benötigt das 100 Dollar-Laptop gerade mal 12 Volt. Das äußerst günstige Notebook soll mit Freier Software ausgeliefert werden, vorinstalliert ist auf ihm bereits die Linux-System der Firma Red Hat.

Die Entwickler von der eigens gegründeten Non-Profit Organisation “One Laptop Per Child” (OLPC) weisen auf ihrer Webseite ausdrücklich darauf hin, dass das kleine Laptop nicht käuflich ist und rein für die direkte Abgabe über Regierungen an Schulen gedacht. Gebaut wird es ab einer vorbestellten Stückzahl von 6 Millionen. Da das Notebook unter anderem mit der Software in der jeweiligen Landessprache ausgeliefert werden muss und auch eine wirksame Logistik bei der Verteilung gegeben sein sollte, plant Nicholas Negroponte laut WorldChanging bereits weitere angeschlossene Unterfirmen der OLPC: OLPC Hardware, eventuell im Silicon Valley oder in Asien, OLPC Software im MIT und OLPC International für die Distribution.

Abgesehen von der Realisierung eines so günstigen Produktes, liegen die Probleme bei der Anwendung auf der Hand: Der tragbare Computer ist gut sichtbar mit einer Handkurbel ausgestattet, um bei mangelnder Stromversorgung manuell nachzuhelfen. Zehn Minuten Kurbeln reichen für eine Minute Laufzeit. Die Größe der Kurbel ist nun aber für Erwachsene konzipiert. Kinder, und gerade für die ist diese Entwicklungshilfe gedacht, werden ihre Schwierigkeiten mit der Bedienung haben. Vielleicht wäre eine Art Fußpedal einfacher gewesen, denn abwechselnd Kurbeln und Tippen erschwert die Bedienung. Die stechende Farbe soll Diebe abschrecken – ihre Wirksamkeit bleibt noch zu erproben.

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