Kernel-Maintainer Andrew Morton sorgt sich um die Qualitätssicherung des Linux-Kernels. Der Chefentwickler bangte in seiner Keynote auf dem LinuxTag letzte Woche in Wiesbaden um die Zukunft von Linux Version 2.6. Zusammen mit Linus Thorvalds koordiniert Morton die Kernel-Entwicklung, bei ihm liegt am Ende auch die Entscheidung, welcher Code integriert wird oder nicht. Gut 9 200 Zeilen Code fliessen so jeden Tag in die Verbesserung des Kernels ein, so Morton. Jedoch würde dieser Code deshalb umso fehlerhafter, weil man bei der Beseitigung von Problemen gar nicht mehr nachkomme.
Seine Vermutung schloss Morton aus den Fehlerberichten, die ihm per E-Mail eingesandt wurden. Im schlimmsten Fall, nämlich einer zu hohen Fehlerquote, bleibe nur ein vorübergehendes Aussetzen der Entwicklung des Kernels, bis die Fehlerquellen behoben seien. Sein Fazit lautete klar: „Wir müssen vorsichtiger sein und mehr Zeit für die Fehlerbehebung aufbringen.” Daher steht nicht nur eine neue Version 2.7 noch in den Sternen. Auch eine reine Entwicklerversion des Kernel lehnt Morton ab: Wenn die Verbesserungen nur der Testversion zu Gute kämen, wäre den vielen Anwendern und Distributoren nicht geholfen, weil die schließlich bei der stabilen, bereits veröffentlichten Version bleiben. Die Qualität des Linux-Kernel sei vor allem der Test-Gemeinschaft zu verdanken, die mit Arbeitseifer gemeinschaftlich wie gemeinnützig durch ihre unermüdlichen Tests die Verbesserung vorantreibe.